Psilocybin (4-Phosphoryl-dimetyhl-tryptamin) und Psilocin (4-Hydroxy-dimetyhl-tryptamin)

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Mögliche Wirkungen
Die durch Psilocybin ausgelösten Veränderungen und (Pseudo-)Halluzinationen sind mit LSD vergleichbar. Pilze weisen jedoch einen schnelleren Wirkbeginn, eine kürzere Wirkdauer und einen „leichter steuerbaren“ Rausch auf. Nur selten kommt es zu abrupten Stimmungsschwankungen und „bad trips“. Das Runterkommen erfolgt schneller und wird als angenehmer als bei LSD empfunden.

 

Negative Effekte
Durch Verwechslung mit anderen Pilzen besteht die Gefahr lebensbedrohlicher Vergiftungen. Bei hohen Dosierungen können Angst, Schreckensvisionen und paranoide Reaktionen auftreten – jedoch weniger häufig als bei LSD-Konsum. Zu den möglichen körperlichen Effekten zählen Atembeschwerden, Herzrasen, veränderter Blutdruck, Kreislaufprobleme, eine Erhöhung der Körpertemperatur, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörung, Schwindel und Übelkeit, seltener auch Ohnmacht und epileptische Anfälle.

 

Wirkmechanismus
Pilze werden meist in getrockneter oder „frischer“ Form oral konsumiert. Die Wirkung setzt nach ca. 30min ein, erreicht nach ca. 2 Stunden ihren Höhepunkt und klingt nach 4-6 Stunden ziemlich abrupt wieder ab. Rund ¼ der Dosis wird unverändert ausgeschieden, der Rest innerhalb von acht Stunden zu 80-90% metabolisiert (umgewandelt). Ein kleiner Teil – der für die Toleranzentwicklung verantwortlich ist – bleibt über eine Woche im Körper zurück. Die für die Wirkung verantwortlichen Prozesse im Gehirn gleichen im wesentlichen den bei LSD berichteten.

 

Mögliche Langzeitfolgen
Bei wiederholtem Pilz-Konsum reagiert der Körper für die Dauer einiger Tage mit Toleranz, das heißt, dass die Dosis erhöht werden muss, um die erwarteten Effekte zu verspüren. Diese Toleranz weitet sich auch auf andere Halluzinogene, insbesondere LSD aus. In der Wissenschaft ist dieses Phänomen als „cross-tolerance“ bekannt.

 

Konsumiere nie bei…

  • Bei Herz-Kreislaufproblemen
  • Psychischen Problemen, wenn du nicht gut drauf bist oder dich schlecht fühlst, bei Angst vor dem Konsum, Unruhe und psychiatrischen Erkrankungen.
  • Wenn du zu epileptischen Anfällen neigst oder Schwanger bist solltest du auf den Konsum psychoaktiver Substanzen generell verzichten.

 

Mischkonsum

  • Pilze und Ecstasy
    Der gleichzeitige oder zeitlich kurz versetzte Konsum von Ecstasy und psychoaktiven Pilzen (sowie anderen Halluzinogenen) erhöht die Körpertemperatur stärker als Ecstasy alleine. Zudem gibt es Hinweise, dass die neurotoxische Wirkung von MDMA und anderen Amphetaminderivaten durch den Konsum von Halluzinogenen verstärkt wird.
  • Pilze und Alkohol
    Alkohol erhöht die Wahrscheinlichkeit für Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufbeschwerden und Ohnmacht.
  • Pilze und Nikotin/THC
    Die Kombination von Nikotin bzw. Cannabis und psychoaktiven Pilzen führt häufig zu Kreislaufbeschwerden und Ohnmacht. Kurzfristig kann bei Kreislaufbeschwerden Traubenzucker hilfreich sein.

 

Risk Reduction
Werden Pilze trotz gesundheitlicher und strafrechtlicher Gefahren konsumiert, solltest du – neben den allgemeinen Hinweisen zur risk reduction – über folgende Punkte Bescheid wissen:

  • Wenn du Angst vor dem Konsum psychedelischer Substanzen hast, oder dir nicht sicher bist, ob du was nehmen sollst, greife nicht zu Halluzinogenen. Deine Angst und deine Bedenken können durch Halluzinogene weiter verstärkt werden.
  • Die Wirkung kann bei Pilzen bis zu 6 Stunden andauern. Es ist daher wichtig bereits vor der Einnahme genügend Nahrungsmittel und andere wichtige Dinge in seiner Nähe zu haben.
  • Wenn Pilze auf vollen Magen genommen werden, sind Übelkeit und Erbrechen vorprogrammiert.
  • Da der Wirkstoffgehalt bei Halluzinogenen kaum einschätzbar ist, nur wenig nehmen und zumindest 1½ Stunden auf die Wirkungen warten. Falls überhaupt notwendig die Dosis nur langsam steigern, da bei vollem Magen die Wirkung noch weiter verzögert eintreten kann.
  • Wenn ein Teil der Pilze aufbewahrt wird, kann bei Überdosierungen oder Vergiftungen die Art der Pilze festgestellt werden.
  • Frische, nicht getrocknete Pilze können bereits nach einem Tag durch Zersetzung des Pilzeiweißes Übelkeit und Erbrechen auslösen.
  • Bei einer Kombination von Halluzinogenen mit Ecstasy oder Speed, erhöhen sich die Gefahren eines Hitzschlages.
  • Wenn du auf Pilze bist und gleichzeitig Zigaretten rauchst oder Alkohol trinkst, treten Kreislaufprobleme, starker Schwindel und Ohnmacht verstärkt auf. Verzichte deshalb auf den Konsum anderer psychoaktiver Substanzen. Gegen Kreislaufbeschwerden kann Traubenzucker helfen.
  • „Bad trips“ können manchmal durch den Konsum von Orangensaft oder Traubenzucker steuerbarer werden.
  • Während des Pilz-Rausches kann es zu tiefen, einschneidenden, verwirrenden oder verunsichernden Eindrücken kommen. Du brauchst vielleicht länger um diese Erlebnisse zu verarbeiten. Nimm dir daher zumindest am Tag danach viel Zeit und Ruhe und achte auf große, mehrwöchige Abstände zwischen den Rausch-Erfahrungen.

 

Chemisches
Psilocybin (4-Phosphoryl-dimetyhl-tryptamin) und Psilocin (4-Hydroxy- dimetyhl-tryptamin) sind chemische Substanzen, die in mindestens 15 verschiedenen Pilzarten der Gattung Psilocybe, Panaeolus und Conocybe vorkommen. Der Wirkstoffgehalt der Pilze variiert stark, sowohl innerhalb einer, als auch zwischen den Arten und ist weiters von nur schwer bestimmbaren Umständen wie Fundort und Klima abhängig. Ab einer Dosis von etwa 3-7mg Psilycbin oder Psilocin – dies entspricht etwa 0,05-1mg/kg Körpergewicht – treten erste Wahrnehmungsveränderungen auf. UserInnen berichten von durchschnittlichen Mengen von ca. 10mg, was 5 – 10g frischer oder 1g getrockneter Pilze gleich kommt.

 

Geschichte
Psychoaktive Pilze zählen zu den ältesten Drogen der Menschheit. In El Salvador, Guatemala und in einigen Gebieten Mexikos wurden Steinskulpturen psychoaktiver Pilze gefunden, die auf 500 vor Christus zurück gehen. Anwendung fanden sie aufgrund der ihnen zugeschriebenen, mystischen und dämonischen Kräfte bei spirituellen Zeremonien und Rieten. So nutzten etwa die Azteken-Priester den südamerikanischen Pilz Teonanactl (Fleisch der Götter), um mit ihren Göttern in Kontakt zu treten, um unter dem Einfluss des Pilzes Kranke zu heilen und Weissagung zu tun. Die Pilze wurden in diesen Fällen als Mittler zwischen den Menschen und der Welt des Übernatürlichen eingesetzt.

1958 wurden die psychoaktiv wirksamen Substanzen Psilocybin und Psilocin vom LSD-Entdecker Albert Hofmann isoliert. Der Pharmakonzern Sandoz – für den Hofmann damals tätig war – brachte Psilocybin unter dem Namen Indocybin® auf den Markt. Indocybin® wurde in einigen therapeutischen Versuchen zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.

 

Das Gesetz
Die Substanzen Psilocin und Psilocybin unterliegen dem Suchtmittelgesetz. Insbesondere ist der Erwerb, der Besitz, die Erzeugung, die Ein- und Ausfuhr, die Überlassung an und Verschaffung für andere (Weitergabe und Verkauf) gerichtlich strafbar und kann Geld- oder Freiheitsstrafen nach sich ziehen. Im Suchtmittelgesetz werden die eigentlichen Pilze nicht ausdrücklich erwähnt. Der Anbau von Pflanzen zur Gewinnung eines Suchtgiftes kann dennoch strafrechtlich verfolgt werden, wobei dieses Vergehen in Österreich in der Regel nach §44 SMG als Verwaltungsübertretung geahndet wird. Das Strafrecht setzt üblicherweise erst ein, wenn das Suchtgift – also Psilocin, Psilotin oder Psilocybin – tatsächlich erzeugt oder aus den Pilzen gewonnen wird.