Psilocybin (4-Phosphoryl-dimetyhl-tryptamin) und Psilocin (4-Hydroxy-dimetyhl-tryptamin)

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Unter dem Begriff Magic Mushrooms (Zauberpilze, Psilos oder „Schwammerl“) werden eine Reihe von verschiedenen Pilz-Sorten zusammengefasst (z.B.: Spitzkegeliger Kahlkopf, „Mexikaner“, „Hawaianer“). Allen gemein ist, dass sie die Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin enthalten, welche für die halluzinogen Wirkung verantwortlich sind.

Der Wirkstoffgehalt der Pilze variiert sowohl innerhalb einer, als auch zwischen den Arten stark und ist von Faktoren wie Fundort, Klima, Nährstoffzufuhr, Alter und Verarbeitung abhängig. Das bedeutet, dass man nie weiß, wieviel Psilocybin in einem Pilz oder Teilen von einem Pilz enthalten ist.

 

Wirkungen
In der Anfangsphase kann es zu Kribbeln in Armen und Beinen, Wärmeempfinden und Lachflashs kommen. Die Wirkungen reichen – abhängig von der Dosierung und der Art der Pilze – von anregend bis hin zu stark halluzinogen. Es kommt zu Wahrnehmungsveränderungen auf allen Sinnesebenen (Hören, Sehen, Riechen, Tasten). Häufig kommt es zu einem traumartigem Erleben der Wirklichkeit und dem Gefühl starker Verbundenheit anderen Menschen und der Natur gegenüber. Die durch Psilocybin/Psilocin ausgelösten Wirkungen sind mit denen von LSD vergleichbar; Pilze weisen jedoch einen schnelleren Wirkbeginn, eine kürzere Wirkdauer und einen „leichter steuerbaren“ Rausch auf. Nur selten kommt es zu abrupten Stimmungsschwankungen und „bad trips“. Das Runterkommen erfolgt schneller und wird als angenehmer als bei LSD empfunden.

 

Negative Effekte
Durch Verwechslung mit anderen Pilzen besteht die Gefahr lebensbedrohlicher Vergiftungen. Bei hohen Dosierungen können Angst, Schreckensvisionen und paranoide Reaktionen auftreten – jedoch weniger häufig als bei LSD-Konsum. Dennoch kann es durch die Halluzinationen zu Fehleinschätzungen der Situation und Unfällen kommen. Zu den möglichen körperlichen Effekten zählen Atembeschwerden, Herzrasen, veränderter Blutdruck, Kreislaufprobleme, eine Erhöhung der Körpertemperatur, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörung, Schwindel und Übelkeit, seltener auch Ohnmacht und epileptische Anfälle. Wie bei LSD führt regelmäßiger Pilz-Konsum zur Toleranzbildung.

 

Wirkmechanismen
Pilze werden meist in getrockneter oder „frischer“ Form oral konsumiert. Getrocknete Pilze wirken im Allgemeinen erheblich stärker als frische und sollten daher sparsamer dosiert werden. Die Wirkung setzt nach ca. 30 Minuten ein, erreicht nach ca. 2 Stunden ihren Höhepunkt und klingt nach 4 – 6 Stunden allmählich wieder ab (abhängig von Sorte und Zubereitungsform). Psilocybin/Psilocin beeinflusst – ähnlich wie LSD die Filterfunktion des Gehirns, die den Menschen vor zu vielen und zu intensiven Eindrücken und Wahrnehmungen – also einer Reizüberflutung – schützt. Situationen können daher nicht mehr „natürlich“ erkannt und eingeschätzt werden. Es kommt zu einer Intensivierung und Veränderung von Wahrnehmungen, Stimmungen und Gedanken. Die Grenze zwischen Realität und Fantasie verschwimmt.

 

DOSIERUNG
Dosiert wird abhängig von der Art der Pilze sowie von der Zubereitungsform (frisch oder getrocknet). Getrocknete Pilze wirken im Allgemeinen erheblich stärker als frische. Aufgrund dieser Gegebenheiten ist es an nicht möglich, übliche Dosierungsangaben zur Verfügung zu stellen.

 

Konsumiere nie bei…

  • Psychischen Problemen oder psychischen Vorerkrankungen: bestehende Probleme können verstärkt und psychische Erkrankungen ausgelöst werden. Die Risiken eines „bad trips“ steigen an.
  • Bei Herz-und Kreislaufproblemen.
  • Wenn du zu epileptischen Anfällen neigst oder Schwanger bist solltest du auf den Konsum psychoaktiver Substanzen generell verzichten.

 

Special: Mischkonsum

  • Pilze und Ecstasy
    Der gleichzeitige oder zeitlich kurz versetzte Konsum von Ecstasy und psychoaktiven Pilzen (sowie anderen Halluzinogenen) erhöht die Körpertemperatur stärker als Ecstasy alleine. Zudem gibt es Hinweise, dass die neurotoxische Wirkung von MDMA und anderen Amphetaminderivaten durch den Konsum von Halluzinogenen verstärkt wird.
  • Pilze und Alkohol
    Alkohol erhöht die Wahrscheinlichkeit für Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufbeschwerden und Ohnmacht.
  • Pilze und Nikotin/THC
    Die Kombination von Nikotin bzw. Cannabis und psychoaktiven Pilzen führt häufig zu Kreislaufbeschwerden und Ohnmacht. Kurzfristig kann bei Kreislaufbeschwerden Traubenzucker hilfreich sein.

 

Risk Reduction
Werden Pilze trotz gesundheitlicher und strafrechtlicher Gefahren konsumiert, solltest du – neben den allgemeinen Hinweisen zur risk reduction – über folgende Punkte Bescheid wissen:

  • Konsumiere Pilze nur, wenn es dir seelisch und körperlich gut geht (Set) und du dich in einer Umgebung befindest, in der du dich wohlfühlst (Setting). Halluzinogene sind keine Partydrogen.
  • Wenn du psychischer Belastung ausgesetzt bist, solltest du auf den Konsum von Pilzen verzichten.
  • Wenn du Angst vor einem Trip hast, oder dir nicht sicher bist, ob du Pilze konsumieren willst, dann konsumiere nicht. Deine Angst und deine Bedenken können durch Halluzinogene weiter verstärkt und schwer steuerbar werden.
  • Da der Wirkstoffgehalt in Pilzen stark schwankt und dadurch kaum einschätzbar ist, dosiere gering und warte zumindest 1–2 Stunden ab, bevor du überlegst „nachzulegen“. Besonders bei vollem Magen kann sich der Eintritt der Wirkung verzögern!
  • Die Wirkung von Pilzen setzt oft in Wellen ein und kann bis zu 6 Stunden andauern. Es ist daher wichtig, dass du dich bereits vor der Einnahme darum kümmerst, dass du alles hast, was du die nächsten sechs Stunden brauchen wirst (Essen, Trinken etc.).
  • Während des Pilz-Rausches kann es zu tiefen, einschneidenden, verwirrenden oder verunsichernden Eindrücken kommen. Du brauchst vielleicht länger um diese Erlebnisse zu verarbeiten. Nimm dir daher zumindest am Tag danach viel Zeit und Ruhe und achte auf große, mehrwöchige Abstände zwischen den Rauschzuständen.
  • Magic Mushrooms beeinflussen dein Orientierungsvermögen und deine Risikobereitschaft. Dadurch kann es passieren, dass du Gefahrensituationen nicht richtig einschätzen kannst. Meide daher riskante Situationen (Straßenverkehr, Baustellen etc.).
  • Konsumiere Pilze nicht auf vollen Magen um Übelkeit und Erbrechen zu vermeiden. Nimm aber einige Stunden vor dem Konsum eine leichte Speise zu Dir.
  • Frische, nicht getrocknete Pilze können bereits nach einem Tag durch Zersetzung des Pilzeiweißes Übelkeit und Erbrechen auslösen.
  • Konsumiere Pilze möglichst nicht alleine (vor allem wenn du noch wenig/keine Erfahrungen mit der Substanz gemacht hast), sondern mit FreundInnen, auf die du dich verlassen kannst.
  • Wenn du zum ersten Mal Pilze konsumierst, bitte eine Freundin/einen Freund nüchtern zu bleiben und dir während des Trips Gesellschaft zu leisten bzw. auf Dich aufzupassen.
  • Im Fall eines „bad trips“ suche dir Unterstützung von einer Dir vertrauten Person. Wenn sich der Zustand nicht verändert, versuche Hilfe von ExpertInnen – etwa vom checkit! Team – oder von SanitäterInnen zu bekommen.
  • Vermeide Mischkonsum mit anderen psychoaktiven Substanzen – da es zu unberechenbaren Wechselwirkungen kommen kann.

Nikotin und Cannabis, aber auch alkoholische Getränke können den Kreislauf zusätzlich belasten und starken Schwindel oder Ohnmacht auslösen. Gegen Kreislaufbeschwerden kann Traubenzucker helfen.

 

Chemisches
Psilocybin (4-Phosphoryl-dimetyhl-tryptamin) und Psilocin (4-Hydroxy- dimetyhl-tryptamin) sind chemische Substanzen, die in mindestens 15 verschiedenen Pilzarten der Gattung Psilocybe, Panaeolus und Conocybe vorkommen.

 

Geschichte
Psychoaktive Pilze zählen zu den ältesten Drogen der Menschheit. In El Salvador, Guatemala und in einigen Gebieten Mexikos wurden Steinskulpturen psychoaktiver Pilze gefunden, die auf 500 vor Christus zurück gehen. Anwendung fanden sie aufgrund der ihnen zugeschriebenen, mystischen und dämonischen Kräfte bei spirituellen Zeremonien und Rieten. So nutzten etwa die Azteken-Priester den südamerikanischen Pilz Teonanactl (Fleisch der Götter), um mit ihren Göttern in Kontakt zu treten, um unter dem Einfluss des Pilzes Kranke zu heilen und Weissagung zu tun. Die Pilze wurden in diesen Fällen als Mittler zwischen den Menschen und der Welt des Übernatürlichen eingesetzt.

1958 wurden die psychoaktiv wirksamen Substanzen Psilocybin und Psilocin vom LSD-Entdecker Albert Hofmann isoliert. Der Pharmakonzern Sandoz – für den Hofmann damals tätig war – brachte Psilocybin unter dem Namen Indocybin® auf den Markt. Indocybin® wurde in einigen therapeutischen Versuchen zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.

 

Das Gesetz
Die Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin Substanz sind im Suchtmittelgesetz erfasst. Der Erwerb, der Besitz, die Ein- und Ausfuhr, die Überlassung an und Verschaffung für andere (Weitergabe und Verkauf) sind strafbar. Das betrifft auch Produkte, die den extrahierten bzw. synthetisch hergestellten Wirkstoff enthalten. Ebenso werden im Suchtmittelgesetz suchtgifthaltige Pilze erwähnt. Strafbar macht sich nach dem Gesetz, wer psilocybin-haltige Pilze einem anderen anbietet, überlässt oder verschafft. Ebenso macht sich strafbar, wer Pilze zum Zweck der Suchtgiftgewinnung anbaut. Nicht strafbar macht sich hingegen, wer etwa Pilze erwirbt oder besitzt. KonsumentInnen, die gegen das SMG verstoßen haben mit einem verpflichtenden Besuch beim Amtsarzt (in Wien: das Institut für Suchtdiagnostik) zu rechnen. Dieser kann in Folge gesundheitsbezogene Maßnahmen anordnen. Hält man sich an diese Vorgaben, kommt es zu keinem Gerichtsverfahren.