Mögliche Wirkung
Neben der schmerzstillenden und dämpfenden Wirkung tritt ein Gefühl der Ruhe, Zufriedenheit und entspannten Euphorie ein, wobei die Sorgen des Alltags vergessen werden. KonsumentInnen beschreiben eine ekstatische Wirkung nach intravenösen Konsum.

 

Negative Wirkung
Durch den Effekt der Schmerzherabsetzung kann es zur Vernachlässigung der natürlichen Alarmsignale des Körpers kommen, wodurch chronische Beschwerden entstehen können. Die angstlösenden und dämpfenden Effekte ziehen Konzentrationsschwierigkeiten, verminderte geistige Aktivität, Apathie und Interessenslosigkeit mit sich. Morphin wirkt stark atemdepressiv, d.h. dass bereits kleine Dosen zu einer verminderten Atemfunktion führen können. Die Atmung wird flach und unregelmäßig und kann einen Atemstillstand bedingen. Weiters können Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit auftreten, die Pupillen verengen sich, Blutdruck und Temperatur sinken ab, die sexuelle Lust verringert sich und häufig kommt es auch zu unangenehmen Hautreaktionen (wie Hautjucken, -prickeln und -rötung).

 

Wirkmechanismus
Morphin ist wasserlöslich und durchdringt daher die Blut-Hirn-Schranke etwas langsamer als die fettlöslichen Opiode, wie zum Beispiel Heroin. Die Wirkung wird, wie bei allen anderen Opioiden durch Stimulierung der Opioidrezeptoren sowie Encephalinrezeptoren und der damit verbundenen Dopaminausschüttung erreicht. Morphin wird in der Medizin je nach Präparat oral, rektal oder durch intramuskuläre, subkutane (unter die Haut) oder intravenöse Injektion verabreicht. Die intravenöse Verabreichung ist außerhalb der medizinischen Anwendung mit großen Risiken, wie der Wahrscheinlichkeit einer Überdosierung, oder der Infektionsgefahr bei unreinen Spritzen und Spritzenutensilien verbunden. Als illegale Straßendroge wird Morphin häufig auch geraucht oder gesnifft. Morphin wird rasch über die Leber umgewandelt und durch die Niere ausgeschieden. Die Wirkdauer beträgt zirka vier bis fünf Stunden.

 

Mögliche Langzeitfolgen
Ein regelmäßiger Konsum kann zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit führen. Regelmäßiger, mehrwöchiger Konsum von Morphin führt zu einer sogenannten „Toleranz“ gegenüber den schmerzstillenden, euphorisierenden und beruhigenden Wirkungen. UserInnen steigern daraufhin oft den Drogenkonsum, was wiederum zu einer stärkeren Abhängigkeit und Gewöhnung an die Substanz führt. Bei Morphinentzug treten folgende Effekte auf: Unruhe, Reizbarkeit, Depressivität, Angst, Schwächegefühl, Schlaflosigkeit, Schwitzen, Kälteschauer, Augen und Nasen rinnen, Erweiterung der Pupillen, Erbrechen, Durchfall und schmerzhafte Krämpfe in der Körpermuskulatur. Wie alle anderen Opiode wird Morphin in der Medizin zur Linderung von Diarrhö eingesetzt, daher kommt es bei häufigem Konsum zu chronischer Verstopfung.

 

Konsumiere nie bei
Erkrankungen der Atemwege, Darmerkrankungen, eingeschränkter Nierenfunktion und Leberfunktionsstörungen.

 

Mischkonsum
Beachte, dass die Toleranz gegenüber einem Opioid auch zu einer (Kreuz)-Toleranz gegenüber allen anderen natürlichen und synthetischen Opioiden führt. Keine Kreuztoleranz hingegen wurde bei Alkohol und den Baribituarten beobachtet. Daher kann es bei Mischkonsum von Opioiden mit Alkohol oder Baribturaten zu einer additiven (verstärkenden) Wirkung kommen. Die Gefahr einer Überdosierung ist daher sehr groß, die Atemdämpfung kann zu Koma und Tod führen. Die gleichzeitige Einnahme von GHB erhöht ebenfalls das Risiko einer Atemlähmung.

 

Risk reduction

  • Verzichte auf Mischkonsum, denn die Kombination (davor, gleichzeitig und danach) zweier oder mehrerer „Downer“, wie Opioide, Schlaf- und Beruhigungsmittel, GHB und Alkohol kann zu Atemlähmung, Bewusstlosigkeit und Erbrechen führen.
  • Das Einnehmen von Drogen nach einer Phase der Abstinenz führt zu Überdosierungserscheinungen. Der Körper ist die Droge nicht mehr „gewohnt“ (siehe Toleranzbildung) daher kann eine Dosis, die vor der Abstinenzphase durchaus übliche war nun lebensbedrohliche Auswirkungen haben.

 

Bei intravenösem Konsum beachte:

  • Der intravenöse Konsum ist durch einen raschen und starken Wirkeintritt charakterisiert, diese Eigenschaft führt zu einer schnellen Toleranzbildung und daher zu einer rascheren Abhängigkeitsentwicklung, als bei anderen Einnahmeformen.
  • Benutze für jede Injektion frische Spritzen und Spritzenutensilien, um Infektionen (HIV, Hepatitis B und C, Weichteilabszesse, Herzklappenentzündung) zu vermeiden. In manchen Beratungsstelle, wie z.B. beim Jedmayer kannst du gratis deine alten Spritzen gegen neue eintauschen.
  • Benütze immer reine Spritzenutensilien (Löffel) und am besten destilliertes Wasser. Falls das nicht verfügbar ist, sauberes kaltes fließendes Wasser verwenden. Ebenso solltest du jedes Mal einen frischen Filter gebrauchen..
  • Achte darauf, dass die Flüssigkeit in der Spritze klar ist und keine Krümel oder Flocken enthält. Verunreinigungen können Komplikationen, wie Herzkrankheiten, Abszesse oder Embolien verursachen.
  • Heroin-User sollten anstelle von Zitronensaft Ascorbinsäure verwenden.
  • Wähle immer eine neue Einstichstelle, diese solltest du immer VOR der Injektion mit einem Alkoholtupfer reinigen.
  • Vergiss nicht, die Luft aus der Spritze herauszudrücken.

Die häufigsten Notfälle werden durch Beimischungen (Verschnitt mit anderen Stoffen) und durch Mischkonsum verursacht. Wie schon beschrieben kann Mischkonsum die Wirkung der Droge verstärken, sodass betroffene UserInnen bewusstlos werden und oft an ihrem Erbrochenen ersticken.

Opioide und andere „downer“ beeinflussen das Zentralnervensystem. Dieses Nervensystem steuert unter anderem die Atmung. Bei einer Überdosierung wird diese Funktion gestoppt.

Wie du dich bei Notfällen verhalten sollst, siehe Kaptitel Überdosierungen und Notfälle.

 

Chemisches
Morphin ist, neben dem Codein, der Hauptbestandteil des Rohopiums, das aus der Pflanze Papaver somniferium (Schlafmohn) gewonnen und daher zu den natürlichen Opioiden gezählt wird. Morphin gehört zu der Stoffklasse der Opiumalkaloide und besitzt die Summenformel C17H19NO3. Morphin wirkt auf einen Opiatrezeptor, der µ-Rezeptor genannt wird. Die Aktivierung des µ-Rezeptors bewirkt euphorische Effekte, Atemdepression, Abhängigkeit, Hustendämpfung und Stuhlverstopfung.

Illegales, nicht medizinisches Morphin wird auch „M“, Morph und Miss Emma genannt und ist meistens in Form eines weißen kristallenen Pulvers mit bitterem Geschmack erhältlich.

 

Geschichte
Morphin ist neben Codein einer der Hauptbestandteile des Opiums. Der Mohn aus dem Opium gewonnen wird ist eine der wichtigsten Heilpflanzen der Pharmaziegeschichte. 1805 isolierte der deutsche Apotheker Friedrich Sertürner das Morphin, auch als Morphium bekannt. Morphin wird heute anstelle des Rohopiums in der Medizin zur Schmerzbehandlung eingesetzt.

 

Das Gesetz
Morphin unterliegt als Medikament dem Arzneimittelgesetz und erfordert eine ärztliche Verschreibung. Wer dieses Medikament einfach weitergibt oder verkauft, verstößt gegen das Arzneimittelgesetz und zwar auch dann, wenn es ursprünglich von einem Arzt verschrieben wurden.

Weiters unterliegt Morphin dem Suchtmittelgesetz und dessen gerichtlichen Strafbestimmungen für psychotrope Stoffe. Insbesondere ist der Erwerb dieser Substanz, der Besitz, die Erzeugung, die Ein- und Ausfuhr, die Überlassung an und Verschaffung für andere (Weitergabe, Verkauf, etc.) gerichtlich strafbar und kann Geld- und Gefängnisstrafen nach sich ziehen. Bei einer missbräuchlichen Verwendung von Morphin macht man sich im Sinne des Arzneimittelgesetzes und des Suchtmittelgesetzes strafbar.