Kokain – Download Infofolder

Mögliche Wirkungen
Die Wirkungen von Kokain hängen von vielen unterschiedlichen Umständen, unter anderem auch von der Dosis und dem Verabreichungsweg ab. Wird Kokain geschnupft, setzen die Wirkungen schon nach ein paar Minuten ein, die Effekte halten zwischen 30 und 60 Minuten und damit länger als beim Spritzen oder Rauchen an.

Kokain verursacht ein intensives euphorisches Gefühl, das von gesteigerter Aufmerksamkeit, Unruhe, Erregung und einem Drang nach Bewegung begleitet wird. Gedanken beginnen zu rasen, KonsumentInnen reden viel und schnell, häufig schweifen sie ab und produzieren unzusammenhängende Äußerungen. Die gesteigerte Selbstsicherheit geht manchmal in Leichtfertigkeit und arrogante Selbstüberschätzung über.

Mit dem in Österreich kaum gebräuchlichen Rauchen von Crack oder Free Base tritt die Wirkung von Kokain schon nach einigen Sekunden, also wesentlich schneller ein; die Effekte halten allerdings nur für wenige Minuten an. Durch die rasche Aufnahme der Substanz in den Blutkreislauf erhöhen sich die Gefahren eines akuten Schocks, Toleranz- und Abhängigkeitspotenziale sind sehr viel höher als bei nasaler Aufnahme von Kokain.

Negative Effekte
Kokain verengt die Blutgefäße und wirkt dadurch örtlich (z.B. auf der Zunge oder dem Zahnfleisch) betäubend. Es kommt zu einem Anstieg der Herz- und damit der Pulsfrequenz sowie zu erhöhtem Blutdruck. Kokain unterdrückt Hunger, Durst und Müdigkeit. Bei hohen Dosierungen kann Kokain Angst und Wahnzustände auslösen – etwa ein Gefühl, ständig beobachtet oder verfolgt zu werden – und auf körperlicher Ebene Muskelkrämpfe oder -zittern, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckprobleme und eine Zunahme der Atemfrequenz. In extremen Fällen kann Kokainkonsum zum Herzstillstand führen. Beim Runterkommen von Kokain wird der euphorische Zustand häufig von depressiven Verstimmungen, Gereiztheit, Angstgefühlen und dem Wunsch mehr zu konsumieren abgelöst.

Wirkmechanismus
Kokain gelangt über die Nasenschleimhäute, beim Rauchen von Crack oder Free Base durch Inhalieren oder durch Injektionen in den Blutkreislauf. Kokain ist fettlöslich, kann also die Blut-Hirn-Schranke passieren um im Gehirn seine Wirkung zu entfalten. Im Gegensatz zu Amphetamin, das eine vermehrte Freisetzung der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin im Gehirn bewirkt, verhindert Kokain die Wiederaufnahme dieser Botenstoffe in die Nervenzellen. Das Ergebnis ist jedoch bei beiden Substanzen ein ähnliches: es kommt zu einer Anhäufung der Neurotransmitter im synaptischen Spalt. Dadurch können Dopamin und Noradrenalin die nachgeschalteten Nervenzellen beständig reizen, was psychisch als Hochgefühl und Stärke erlebt wird. Nach dem Rausch braucht das Gehirn einige Tage um die Neurotransmitter wieder aufzubauen: depressive Verstimmungen, Müdigkeit und Apathie sind die Folge.

Mögliche Langzeitfolgen
Kokain hat ein hohes psychisches Abhängigkeitspotenzial – die Versuchung, Kokain rasch wieder zu konsumieren um den Zustand von Stärke und Euphorie wieder zu spüren und damit auch den nur schwer zu ertragenden Leere-Zustand aufzulösen, mündet bei manchen in psychische Abhängigkeit. Abhängigkeit von Kokain zeichnet sich zumeist nicht durch ununterbrochenen Konsum der Substanz aus, sondern durch das sogenannte „binge“-Muster: auf einige Tage intensiven Konsums großer Mengen folgt eine Phase erschöpfter Abstinenz, in der Betroffene glauben ihren Konsum im Griff zu haben und jederzeit aufhören zu können. Auf die enthaltsamen Tage folgt wiederum Kokain-binging (intensiver Konsum). Dieses Konsummuster führt nach kurzer Zeit zu Entkräftung des Körpers, grippeähnlichen Gliederschmerzen, Gewichtsverlust und chronischem Schnupfen.

Psychisch kann sich intensiver Kokainkonsum in Angststörungen, Persönlichkeitsveränderung, Depression und sogenannten Kokainpsychosen ausdrücken. Bei Kokainpsychosen leiden Betroffene unter paranoiden Wahnzuständen, optischen, akustischen oder taktilen Halluzinationen – wie etwa einem starken Stechen unter der Haut.

Obwohl Kokain als Sex-Droge gilt, verringert chronischer Kokainkonsum die Lust auf Sex deutlich – in der Psychologie wird in diesem Zusammenhang von einem Rückgang der Libido gesprochen. Kokainsüchtige Männer leiden häufig unter Impotenz, bei Frauen kommt es zu Störungen des Menstruationszyklus oder zu einem Ausbleiben der Monatsblutung.

Auf körperlicher Ebene kann häufiger Kokain-Konsum zu chronischen, nur schwer heilenden Entzündungen der Nasenschleimhaut, in extremen Fällen zu Perforationen oder Durchlöcherungen der Nasenscheidewand führen. Langfristig kann chronischer Kokainkonsum auch bei jungen Menschen zu krampfhaften Verengungen der Herzgefäße und damit zu Schädigungen des gesunden Herzgewebes führen – Herzfehler und Herzinfarkte sind als unmittelbare Folgen dieser körperlichen Veränderungen zu nennen.

Konsumiere nie bei…

  • Vorerkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems, Asthma, Erkrankungen der Leber und bei Schilddrüsenüberfunktion. Insbesondere bei Personen mit Herz- und Kreislaufvorschädigungen kann es durch die Kontraktion der Herzkranzgefäße zu Minderdurchblutung kommen, die dadurch resultierende Sauerstoffreduzierung führt in extremen Fällen zu einem Herzinfarkt.
  • Kokain erhöht die Gefahr der Krampfbereitschaft und stellt daher ein erhöhtes Risiko für Epileptiker dar.
  • Kokain kann psychische Probleme oder Erkrankungen verstärken oder auslösen.
  • Kokainkonsum während der Schwangerschaft erhöht das Risiko von Frühgeburten, Missbildungen und des plötzlichen Kindstodes. Durch die gefäßverengende Wirkung von Kokain komm es zu einer verminderten Durchblutung der Gebärmutter und damit zu einer Sauerstoffunterversorgung des Ungeborenen. Vor allem im ersten Drittel der Schwangerschaft können in Folge des Kokainkonsums Schädigungen aller Organe und jedes Gewebe auftreten. Häufig kommt es zu Missbildungen des Urogenitaltrakts, also der Harn – und Geschlechtsorgane, und zu neuronalen Schädigungen – krankhaften Veränderungen und Entwicklungsstörungen des Nervensystems.

Mischkonsum

  • Kokain & Alkohol
    Die Kombination von Kokain und Alkohol führt zu einer Unterschätzung der Alkoholwirkung. Du fühlst dich nüchtern, bist aber betrunken. Selbstüberschätzung und Kontrollverlust erhöhen vor allem im Strassenverkehr die Gefahren für dich, Freund und Bekannte, sowie andere VerkehrsteilnehmerInnen.
  • Kokain & andere „uppers“
    Insbesondere die Mischung mit anderen uppers wie Speed, hohe Mengen von Koffein oder Energy Drinks, stellt eine sehr große Belastung für dein Herz-, Kreislaufsystem dar und kann zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.

Risk reduction
Wenn du Kokain trotzt gesundheitlicher und strafrechtlicher Gefahren konsumierst, solltest du – neben den allgemeinen Hinweisen zu Risk reduction – über folgende Punkte Bescheid wissen:

  • Kokain ist wegen des hohen Preises häufig mit Streckmitteln verschnitten. Ohne chemische Analyse kannst du daher nicht genau wissen was und wieviel du gerade einnimmst. Nimm wenig und vermeide nachzulegen.
    Informationen zu häufigen Streckmitteln findest du hier.
  • Wenn der Konsum regelmäßig wird, solltest du längere Pausen einlegen, um keine psychische Abhängigkeit zu entwickeln. Wenn du Probleme hast deinen Konsum zu kontrollieren solltest du Rat und Untestützung bei MitarbeiterInnen einer Beratungsstelle suchen.
  • Die gesundheitlich schädlichste Methode Kokain zu nehmen ist es zu spritzen, vor allem wenn es mit Heroin („Speedballs“) kombiniert ist.
  • Beim i.v.-Gebrauch solltest du wegen der Infektionsgefahren mit Heptatis B und C sowie HIV sauberes Spritzbesteck verwenden. Spritzen und Spritzbesteck bekommst du in einigen Drogenberatungsstellen, in Wien etwa beim Ganslwirt.
  • Die am wenigsten schädliche Methode Kokain einzunehmen ist das Schnupfen: die Wirkung setzt allmählich ein und hält länger an als bei anderen Gebrauchsformen.

Chemisches
Kokain ist ein weißes, kristallines, bitter schmeckendes Pulver, das aus Kokablättern unter Zugabe von Wasser, Kalk oder Natriumcarbonat, Kerosin und Ammoniak hergestellt wird. Auf dem Schwarzmarkt wird Kokain mit anderen Substanzen gestreckt, wobei neben den üblichen Streckmitteln – wie Milchpulver – auch gefäßverengende bzw. synthetische, schmerzstillende oder betäubende Mittel, wie Lidocain oder Novocain verwendet werden. Kokain wird in der Regel geschnupft, kann aber auch intravenös verabreicht (gespritzt) werden. Durch chemische Umwandlung kann Kokain in rauchbare Formen – Crack oder Free Base – umgewandelt werden. Die durch diese beiden Formen ausgelösten psychischen Effekte setzen innerhalb weniger Sekunden ein und halten nur für einige Minuten, nie aber länger als 10 Minuten an. Crack und Free Base führen rascher zu einer starken psychischen Abhängigkeit als andere Einnahmeformen von Kokain.

Geschichte
In den Andenländern Südamerikas – dem Ursprungsgebiet des Kokastrauches – werden Kokablätter seit Jahrhunderten aus religiösen, mystischen, sozialen und medizinischen Gründen eingenommen. Der Konsum der Kokablätter führt zu einer Erhöhung der Ausdauer, zur Unterdrückung von Hunger und zur Steigerung des Wohlbefindens. Die psychoaktiv wirksame Substanz des Kokastrauches wurde von Albert Niemann in der Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals chemisch isoliert.

Der Begründer der Psychoanalyse, der Wiener Arzt Sigmund Freud, war nach einigen Selbstversuchen von der euphorischen und aktivierenden Wirkung des Kokain so begeistert, dass er es in seinem Artikel „über Coca“ als neue „Wunderdroge“ anpries. Freuds Meinung sollte sich rasch ändern: eine guter Freund des Wiener Arztes, der sich mit Kokain von seiner Morphinsucht befreien wollte, steigerte seine tägliche Kokaindosis auf über ein Gramm und starb schließlich an den Folgen seines Kokainkonsums.

In der Medizin wurde Kokain aufgrund seiner astringierenden oder gefäßverengenden Wirkung als lokales Betäubungsmittel eingesetzt. 1888 kam ein Getränk auf der Basis von Koka und Cola-Nuß-Extrakten auf den Markt, das als Mittel gegen Kopfschmerzen und als Belebungsmittel für Erwachsene vermarktet wurde – das Getränk hieß Coca-Cola. Doch bereits 1906 wurde in den USA der Zusatz von Kokain in Getränken und rezeptfreien Arzneimitteln gesetzlich verboten.

Der Kokainkonsum nahm während der zwanziger Jahren stark zu, ging allerdings in den dreißiger Jahren mit dem Aufkommen von Amphetamin wieder zurück – Amphetamine sind einfacher und billiger herzustellen – die psychischen Effekte von Amphetamin dauern länger an als jene von Kokain.

 

Das Gesetz
Kokain und Crack unterliegen dem Suchtmittelgesetz. Der Erwerb, der Besitz, die Erzeugung, Ein- und Ausfuhr, Überlassung (Weitergabe) an und Verschaffung (Verkauf) für andere ist gerichtlich strafbar und kann Geld- oder Freiheitsstrafen nach sich ziehen.