MDMA / Methylen-Dioxy-Methyl-Amphetamin – Download Infofolder

Mögliche Wirkungen
Etwa 20 bis 60 Minuten, nachdem MDMA oder andere Amphetaminderivate eingenommen wurden, machen sich erste Effekte wie Kribbeln im ganzen Körper, ein steifes Gefühl in den Armen, trockener Mund, geweitete Pupillen und ein schnellerer Herzschlag bemerkbar. Manchmal kommt es zu einem Gefühl der Beklommenheit und Übelkeit, zu Kieferverspannungen und zu Zähneknirschen.

Nach einiger Zeit treten die psychischen Wirkungen von Ecstasy in den Vordergrund: Positive wie negative Gefühle werden stärker und klarer wahrgenommen, Hemmungen werden schwächer, emotionale Nähe und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit stellt sich ein. Häufig wird von Euphorie, Glückseligkeit, trance-ähnlichen Zuständen und dem Wunsch nach Nähe und vertrauten Gesprächen berichtet. Es kann zu einer Intensivierung der Körperwahrnehmung und einem stärkeren Empfinden von Musik kommen. Wie gut und intensiv eigene Gefühle und Gedanken wahrgenommen werden (entaktogene Wirkung), einfühlende Zustände (empathische Wirkung) sowie halluzinogene und körperaktivierende Effekte auftreten, hängt auch von der Art der konsumierten Substanz ab: während MDMA eine stark empathische und eine mittlere entaktogene Wirkung hat, sind empathische Zustände bei MBDB sehr selten, entaktogene Wirkungen jedoch besonders stark. Bei MDA kommt es häufiger zu (Pseudo-)Halluzinationen aber kaum zu empathischen Zuständen, MDE hat eine mittlere empathische und eine leicht halluzinogene Wirkung.

 

Negative Effekte
Grundsätzlich gilt, je häufiger der Konsum, desto stärker werden die unerwünschten Wirkungen, während die erhofften Wirk-Zustände abnehmen. Zu negativen Effekten kommt es vor allem bei Dosierungen von über 1,5mg / kg Körpergewicht – also etwa 90mg bei einer 60kg schweren Person. Bei Dosierungen in dieser Höhe treten – aufgrund einer vermehrten Aktivierung des dopaminergen Systems im Gehirn – antriebssteigernde, speed-ähnliche Effekte in den Mittelpunkt, Klarheit und Empathie verschwinden.

Durch die Unterdrückung von Müdigkeit und Durst und durch die direkte Wirkung auf die Temperaturregulation im Gehirn kann es bei langem, pausenlosen Tanzen zu gefährlichen Erhöhungen der Körpertemperatur bis hin zum Kollaps kommen. Zu den negativen Effekten zählen weiters Kieferkrämpfe, Muskelzittern, Übelkeit, Brechreiz und erhöhter Blutdruck. Herz, Leber und Nieren werden besonders stark belastet. Der Konsum von Ecstasy kann auch zu großer Ängstlichkeit, Schreckensvisionen und Orientierungsschwierigkeiten führen.

 

Wirkmechanismus
Nach der Aufnahme in den Blutkreislauf gelangt ein Teil der Substanz ins Gehirn, wo es in bestimmten Bereichen seine Wirkung entfaltet. Ecstasy bewirkt vor allem eine vermehrte Freisetzung des Neurotransmitters Serotonin. Es kommt zu einer Reduzierung des Hunger- und Durstgefühls, zu einer erhöhten Wachheit und Aufmerksamkeit, zu einer Erhöhung der Körpertemperatur und des Blutdrucks sowie zu einer Verstärkung von Gefühlen und zu Zuständen wie Glück und Euphorie. Wenn Ecstasy das Serotoninsystem nach einigen Stunden nicht mehr beeinflusst, verkehren sich Körper- und Gefühlszustand langsam ins Gegenteil: Betroffene klagen über Müdigkeit, Erschöpfung, Verwirrung sowie über Traurigkeit und depressive Verstimmungen. Das menschliche Gehirn braucht bis zu vier Wochen um seinen natürlichen Serotonin-Spiegel wieder aufzubauen.

 

Mögliche Langzeitfolgen
Zur Zeit wird wissenschaftlich intensiv darüber diskutiert, ob der Konsum von Ecstasy zu einer Veränderung des Serotonin-Systems im Gehirn führt. Auch wenn es noch keine endgültigen Erkenntnisse gibt, dürfte es vor allem bei hohen und wiederholten Dosierungen und nach zu kurzen Pausen vor einer abermaligen Einnahme zu bleibenden Störungen im Gehirn kommen. Unsicherheit, Ängstlichkeit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Erschöpfung und länger anhaltende depressive Verstimmungen können als Folge des Ecstasykonsums und der Veränderungen im Gehirn auftreten.

Durch die massive Ausschüttung von Serotonin und den langsamen Wiederaufbau dieses Neurotransmitters werden bei regelmäßigem Konsum von Ecstasy die gewünschten Wirkungen immer geringer. Eine Dosiserhöhung führt zu noch stärkeren negativen Folgen, ohne dass sich die gesuchte Wirkung einstellt außerdem können Müdigkeit, Erschöpfung und Depressionen die Folge sein. Regelmäßgier Konsum kann zu psychischer Abhängigkeit sowie zu anhaltender Müdigkeit, Magenproblemen und eine Veränderung des Menstruationszyklus bei Frauen führen.

 

Konsumiere nie bei…

Ecstasy belastet Körper und Psyche. Bei Herzproblemen, Bluthochdruck, Blutarmut, Schilddrüsenerkrankungen, Leber- oder Nierenschädigungen, Hepatitis, Epilepsie, Diabetes und Schwangerschaft sollte Ecstasy auf keinen Fall konsumiert werden. Bei psychischen Problemen, Unruhe oder der Einnahme von Antidepressiva ist auf den Konsum ebenso zu verzichten. Grundsätzlich gilt: wer sich körperlich oder psychisch nicht gut fühlt, sollte Ecstasy auf alle Fälle meiden.

 

Mischkonsum
Der gleichzeitige oder kurz aufeinanderfolgende Konsum unterschiedlicher Substanzen belastet Körper und Geist viel stärker als der Konsum einer Substanz. Zudem sind die Wirkungen nicht wirklich vorhersehbar und von mal zu mal verschieden. Im Falle des Mischkonsums ist 1+1 eben nicht 2.

  • Ecstasy & Alkohol
    Alkohol belastet die bereits durch Ecstasy beanspruchten Organe Leber und Niere zusätzlich und trocknet den Körper weiter aus. Der gleichzeitige Konsum von Alkohol und Ecstasy führt demnach leichter zu Wärmestaus und gefährlichen Überhitzungserscheinungen. Die negativen Effekte des Runterkommen werden durch Alkohol weiter verstärkt, die klaren und entaktogenen Wirkungen von Ecstasy vermindert.
  • Ecstasy & Antidepressiva
    Bei einer Kombination von Antidepressiva (v.a. MAO-Hemmer, Trizyklika) und Ecstasy kann es zu einer extremen Serotoninkonzentration im Gehirn und dadurch zu Krampfanfällen, epileptischen Anfällen, Bewußtseinsstörungen und Kollaps kommen.
  • Ecstasy & Speed
    Speed und Ecstasy belasten Körper und Geist. Durch den Mischkonsum von Ecstasy und Speed können die möglichen neurotoxischen Wirkungen von Ecstasy verstärkt werden. Der Flüssigkeitsverlust ist bei einer Kombination dieser Substanzen besonders hoch und negative Gefühle sowie depressive Verstimmungen können nach dem Runterkommen für einige Tage anhalten.
  • Ecstasy & Halluzinogene
    Der gleichzeitige Konsum von Ecstasy und LSD, sowie anderen Halluzinogenen, verstärkt die schädliche Wirkung von Ecstasy auf das serotonerge System im Gehirn. Längerfristig könnte eine Kombination dieser Substanzen daher zu depressiven Verstimmungen und zu Verschlechterungen beim Einprägen und Erinnern von Gedanken führen.
  • Ecstasy & Koffein
    Koffein – ob in Kaffee oder Engerydrinks – sowie Guarana und Poppers, verstärken kurzfristig den aufputschenden Ecstasy-Effekt, führen allerdings auch zu einer raschen Entkräftung des Körpers. Das Risiko von Schwindelanfällen, Herzrasen und anderen Herz-, Kreislaufbeschwerden steigt.
  • Ecstasy & Cannabis
    Beim „Runterrauchen“ mit Cannabis kann es zu einem Wiedereinsetzen der Ecstasy-Wirkungen, zu großen Ängsten, Halluzinationen und Panik kommen.

 

Risk reduktion
Solltest Du Ecstasy trotz gesundheitlicher und strafrechtlicher Risiken konsumieren, beachte die folgenden Regeln:

  • Nur 1/3 aller Ecstasy-Tabletten enthält tatsächlich Ecstasy. Wenn die Möglichkeit bei großen Raves besteht, solltest du deine Substanzen daher bei ChEck iT! chemisch analysieren lassen.
  • Art und Menge der Inhaltsstoffe können ohne chemische Analyse nicht abgeschätzt werden. Sollte keine Möglichkeit zur Analyse bestehen, teste eine geringe Menge (ein Viertel bzw. die Hälfte) der Substanz an. Im allgemeinen sollte eine Menge von 1,5 mg Ecstasy pro kg Körpergewicht – also etwa 90mg bei einer 60kg schweren Person – nicht überschritten werden.
  • Tritt die gewünschte Wirkung nach einiger Zeit nicht ein, wirf nicht nach. Der Beginn der Wirkung ist von Person zu Person unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig. Bei manchen Personen dauert es 11/2 Stunden bist sie die ersten Effekte verspüren.
  • Nimm Ecstasy nicht direkt nach den Mahlzeiten ein. Da Ecstasy die Magenschleimhaut angreift, solltest Du einige Stunden zuvor allerdings leichte und gut verträgliche Speisen zu Dir nehmen.
  • Trinke viel nicht-alkoholisches – aber auch nicht mehr als 0,5 Liter pro Stunde und nimm leichte Speisen (Obst) sowie Vitamine zu dir.
  • Regelmäßiger Ecstasy-Konsum verstärkt negative Effekte und größere Mengen der Substanz werden notwendig, um die erwünschten Wirkungen zu spüren – negative Effekte werden verstärkt. Durch regelmäßigen Ecstasy-Konsum steigt die Wahrscheinlichkeit für eine schädliche Wirkung auf das Gehirn. Halte daher lange Pausen, zumindest aber einen 4 – 6 wöchigen Abstand zwischen den einzelnen Einnahmen ein.

 

Chemisches
Ecstasy ist die Szenebezeichnung für eine Reihe von Amphetaminderivaten. Amphetaminderivate sind Moleküle, die durch kleine Änderungen der chemischen Struktur von Amphetamin (Speed) abweichen. Ursprünglich wurde nur Methylen-Dioxy-Methyl-Amphetamin (MDMA) als Ecstasy bezeichnet. Im Laufe der letzten zehn Jahre tauchten eine Reihe anderer Amphetaminderivate mit ähnlicher Wirkung auf dem Schwarzmarkt auf, so dass heute auch MDA, MDE, MBDB und weitere Verbindungen zu Ecstasy gerechnet werden. Von ChEck iT! und anderen internationalen Organisationen durchgeführte chemische Analysen zeigen allerdings, dass häufig auch andere Substanzen – etwa Speed, eine Reihe von Medikamenten oder Placebos, also auch nicht psychoaktiv wirksame Substanzen – als Ecstasy verkauft werden. Manchmal finden sich gesundheitlich besonders bedenkliche Substanzen wie Atropin oder Methadon in den Proben. Ecstasy wird oral (über den Mund) oder nasal (durch die Nase) in Form von Tabletten, Kapseln oder Pulver eingenommen. Die Wirkdauer ist abhängig von der Dosierung, der Einnahmeform und persönlichen Faktoren wie Körpergewicht, Geschlecht oder vorherige Nahrungsaufnahme. Eine durchschnittliche Dosis Ecstasy wirkt 3 – 6 Stunden, MDA bis zu 12 Stunden.

 

Geschichte
MDMA wird 1898 vom deutschen Dissertanten Haber erstmals hergestellt und 1914 im Auftrag der deutschen Chemiefirma E. Merck patentiert. Die vielen Berichte, wonach die Substanz als Appetitzügler erprobt und von E. Merck auch zum ersten Mal synthetisiert worden sei, erkennen erst die Autoren Fromberg und Seymour als beispiellose Ansammlung wissenschaftlicher Falschmeldungen. Von Tierexperimenten der U.S-Armee in den frühen 50 Jahren abgesehen, gerät die Substanz bis 1965, dem Jahr ihrer Resynthetisierung durch den damals an der University of California at Berkeley lehrenden Chemiker Alexander Shulgin, in Vergessenheit.

In den U.S.A. wird MDMA in den siebziger Jahren aufgrund der Gefühle, Empathie und Selbstakzeptanz verstärkenden Wirkung von einigen tausend TherapeutInnen im psychotherapeutischen Setting eingesetzt. Insbesondere in der Behandlung des Posttraumatischen Stresssyndroms, von Bulimie, in der Arbeit mit todkranken PatientInnen und in Paartherapien wird von Erfolgen berichtet. Um 1976 erscheinen die ersten Artikel über die Wirkung von MDMA in medizinischen Fachzeitschriften und in den späten 70er Jahren taucht MDMA unter dem Namen „Ecstasy“ oder „X“ in den U.S.A schließlich vermehrt außerhalb des psychotherapeutischen Settings, in Bars und Lokalen auf. Für einige Zeit soll Ecstasy in Dallas und Austin sogar an Bars über Kreditkartenbezahlung erhältlich gewesen sein.

Nach Medienberichten über die „neue Droge“ im Raum Texas und ersten medizinischen Zwischenfällen wird MDMA am 1. Juli 1985 von der amerikanischen Drug Enforcement Administration (DEA), probeweise auf ein Jahr in die „gefährlichste“ Kategorie I aufgenommen, eine Entscheidung, die von den U.S.-Behörden 1988 bestätigt wird. 1986 bewirken die U.S.A, dass MDMA von der WHO in die Convention on Psychotropic Substances eingereiht wird, eine Kategorisierung, die allen WHO-Mitgliedstaaten empfiehlt, MDMA der strengsten rechtlichen Kontrolle zu unterwerfen. In den folgenden Jahren wird MDMA in allen europäischen Staaten in das jeweilige Suchtmittelgesetz aufgenommen. Etwa um 1987 kommt Ecstasy von den U.S.A über Ibiza nach England und Holland und bestimmt in den folgenden Jahren die Entstehung der Techno- und Ravebewegung entscheidend mit.

 

Das Gesetz
Ecstasy unterliegt dem Suchtmittelgesetz und dessen gerichtlichen Strafbestimmungen für psychotrope Stoffe. Insbesondere ist der Erwerb, der Besitz, die Erzeugung, die Ein- und Ausfuhr, die Überlassung an und Verschaffung für andere (Weitergabe, Verkauf etc.) gerichtlich strafbar und kann Geld- oder Freiheitsstrafen nach sich ziehen.