Cannabis – Download Infofolder


Mögliche Wirkungen
Die psychoaktiven Effekte von Cannabis hängen von der Dosis, dem Aufnahmeweg, den äußeren Gegebenheiten, sowie der Erfahrung und Erwartung der KonsumentInnen ab und können dadurch recht unterschiedlich sein. Neben einer Veränderung des Zeitempfindens werden vor allem Gefühlszustände und Sinneseindrücke verstärkt. Der Cannabiskonsum kann zu einem gesteigerten Wohlbefinden und Appetit, erhöhter Sensibilität, einer leichten Euphorie, zu Heiterkeit oder Entspannung und Halluzinationen führen. Die euphorische Phase hält ca. 1 bis 2 Stunden an und klingt dann langsam ab.

 

Negative Effekte
Anstieg von Herzschlag- und Pulsfrequenz, Rötung der Augen durch die Erweiterung der Blutgefäße und trockener Mund. Negative Effekte wie Schwindelgefühle, Übelkeit und Erbrechen treten vor allem bei erstmaligem Konsum auf. Während der akuten Wirkung von Cannabis kommt es zur Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit – vor allem die Gedächtnisleistung, die Aufmerksamkeits- und die Konzentrationsleistungen sind davon betroffen. Bei hohen Dosen kann es neben Kreislaufproblemen zu unangenehmen Intensivierungen emotionaler Reaktionen und leichten Veränderungen von Sinneseindrücken, im schlimmsten Fall zu Paranoia und depressiven Verstimmungen kommen.

 

Wirkmechanismus
Da mit dem Marihuanarauch hunderte unterschiedliche Stoffe in den Körper gelangen, ist es noch nicht gelungen die genauen Wirkmechanismen zu bestimmen. Die psychoaktiv wichtigste Substanz, THC, wird beim Rauchen über die Lungenschleimhaut und bei oralem Konsum über die Darmschleimhaut aufgenommen. Im Blutkreislauf wird THC in alle Organe transportiert, wobei es sich aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit besonders im Gewebe mit einem hohen Fettanteil ansammelt. Dadurch können THC – Spuren auch noch nach Wochen im Urin nachgewiesen werden. Obwohl die meisten Cannabis-Effekte nur wenige Stunden spürbar sind, befindet sich nach 20 Stunden noch immer die Hälfte des aufgenommen THC im Blut. Im Gehirn bindet THC an die erst kürzlich entdeckten Cannabinoid-Rezeptoren, deren genauen Funktionen noch nicht bekannt sind. Eine große Anzahl von Cannabinoid-Rezeptoren befindet sich in einer Gehirnstruktur, die für das Merken neuer Inhalte zuständig ist. Dieser Umstand erklärt, weshalb Personen sich unter dem Einfluss von Cannabis kaum etwas merken können und eine veränderte Zeitwahrnehmung haben. Weitere Cannabinoid-Rezeptoren finden sich am Kleinhirn, der Gehirnregion, die für automatische Bewegungen wie Gehen verantwortlich ist. Deshalb auch die Koordinationsschwierigkeiten, die unter dem Einfluss von Cannabis erlebt werden.

 

Mögliche Langzeitfolgen
Chronischer Cannabiskonsum kann zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Bei langfristigem, täglichen Gebrauch können Aktivitätsverminderung, Motivations- und Interessenverlust auftreten. Eine leichte Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses nach chronischem Cannabiskonsum kann noch 6-12 Wochen nach Konsumende beobachtet werden. Durch das Rauchen kommt es bei chronischem Konsum, ähnlich wie bei ZigarettenraucherInnen, zu einer gesteigerten Anfälligkeit für Atemwegsbeschwerden, wie Bronchitis, Luftröhren- und Lungenentzündung. Da Cannabisrauch in der Regel tiefer inhaliert und der Rauch länger in der Lunge gehalten wird als beim Zigarettenkonsum, entspricht die Schädlichkeit eines Joints (Kohlenmonoxid und Teer) in etwa der Schädlichkeit von 3-5 Zigaretten.

 

Konsumiere nie bei…

  • Lungenerkrankungen und bestehenden Herzbeschwerden oder Herzerkrankungen, da THC Herz und Kreislauf zusätzlich belastet.
  • Bei Ängstlichkeit, Bedrücktheit oder psychischen Problemen, da Cannabis diese Zustände verstärkt und keineswegs einen Ausweg aus Problemen darstellt.
  • THC gelangt über die Plazenta zum Fötus und über die Muttermilch zum Baby. Einige Studien – aber nicht alle – belegen, dass schwangere Frauen, die regelmäßig Cannabis konsumieren, Babys mit einem geringeren Geburtsgewicht und geringerer Körpergröße gebären. Auf Cannabiskonsum während Schwangerschaft und Stillzeit sollte daher verzichtet werden.

 

Mischkonsum

  • Cannabis & Ecstasy, Speed, Kokain, LSD und magic mushrooms
    Einige KonsumentInnen benützen Cannabis „zum Runterkommen“ von aufputschenden Drogen wie Speed oder Ecstasy. Mischkonsum stellt allerdings eine noch stärkere Belastung für deinen Körper dar, verlängert den hangover nach dem Runterkommen und macht Angstzustände sowie erschreckende Halluzinationen wahrscheinlicher.

Risk reduction
Wer trotz gesundheitlicher und rechtlicher Risiken Cannabis konsumiert, sollte neben den allgemeinen Regeln zur risk reduction über folgende Punkte Bescheid wissen:

· THC beeinflusst deine Aufmerksamkeit, Merk- und Konzentrationsfähigkeit. Von täglichem Konsum – vor allem bei der Arbeit und in der Schule – ist daher abzuraten.

· Cannabis kann keine Probleme lösen, sie höchstens für ein paar Stunden vergessen lassen. Fang daher erst gar nicht an, Cannabis als Allheilmittel zu sehen. Wenn du trotzdem rauchst, solltest du den Konsum auf die Freizeit beschränken und nur dann rauchen, wenn du dich gut fühlst.

· Das Risiko von Atemwegserkrankungen kann reduziert werden, indem THC oral genommen wird und beim Rauchen gute Filtermethoden oder ein Vaporizer angewendet werden. Es ist ein Irrglaube, dass die Wirkung von Cannabis verstärkt werden kann, wenn der Rauch intensiver inhaliert und länger in der Lunge gehalten wird.

· Bei oraler Einnahme sind die Wirkungen stärker als beim Rauchen und halten länger an, setzen jedoch später, und zwar bis zu einer Stunde oder länger nach der Einnahme ein. Bei oralem Konsum kommt es häufiger zu (Pseudo-) Halluzinationen als beim Rauchen. Die Potenz des Cannabis wird beim Kochen im Gegensatz zum Rauchen nur geringfügig verringert.

THC beeinträchtigt deine Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit und damit auch deine Fahrtüchtigkeit. Starke Leistungseinbußen treten vor allem in der ersten Stunde nach Rauchbeginn auf. Das Lenken eines Fahrzeuges in beeinträchtigtem Zustand ist verboten – das gilt natürlich auch für Cannabis. Du kommst mit dem Verwaltungsrecht in Konflikt und kannst daher deinen Führerschein verlieren. Zusätzlich machst du dich nach dem Suchtmittelgesetz strafbar.

 

Chemisches
Cannabis ist der Überbegriff für die Hanfprodukte Haschisch und Marihuana. Tetrahydrocannabinol (THC) ist der wichtigste psychoaktive Wirkstoff der rund 400 unterschiedlichen chemischen Substanzen der Hanfpflanze. Die höchste Konzentration an THC befindet sich im Harz der weiblichen Blütenstände. Haschisch (Dope, Shit) besteht aus dem Harz der Blütenstände der Cannabis-Pflanze, während Marihuana (Gras, Ganja) aus einem Gemisch aus zerriebenen Blättern, Blüten und Stengelstückchen der Hanfpflanze besteht. Neben Marihuana und Haschisch wird der Hanf auch zu Haschischöl verarbeitet. Haschischöl ist, bei einem sehr hohen THC-Anteil, das am wenigsten verbreitete Hanfprodukt. Im allgemeinen wird zwischen drei Arten der Gattung Cannabis unterschieden: Cannabis Sativa, einer großen Pflanze mit wenigen Seitentrieben, Cannabis Indica, einer kleineren Form mit vielen buschigen Seitentrieben und der sehr kleinen, nicht oder kaum verzweigten Cannabis Ruderalis. Die Bezeichnung des Harzes richtet sich zumeist nach der jeweiligen Farbe der Sorten. So wird etwa vom Gelben Marokk, Roten Libanesen oder Schwarzen Afghanen gesprochen. Die Wirkstärke des Cannabis wird durch den THC-Anteil des Harzes, die Harzmenge sowie das Alter und die Lagerung der Substanz bestimmt.

 

Geschichte
Cannabis ist der Überbegriff für die Hanfprodukte Haschisch und Marihuana. Bereits vor 6000 Jahren wurde der Hanf als Textilmaterial genutzt, ebenso lange bekannt sind die psychotropen Eigenschaften des Cannabis. Als heiliges Rauschmittel ist Cannabis im Hinduismus dem Gott Shiva geweiht und im rituellen Gebrauch sowie in der traditionellen Medizin Asiens als Beruhigungs- oder Betäubungsmittel in Verwendung. In Europa berichtete erstmals Marco Polo im 13. Jahrhundert von der Verwendung der Hanfpflanze als Rauschmittel. In der modernen Medizin gewinnt Cannabis, insbesondere bei der Behandlung von GlaukompatientInnen sowie zur Unterdrückung des Brechreizes und zur Appetitanregung bei Krebs- und AidspatientInnen an Bedeutung.

 

Das Gesetz
Der Erwerb, der Besitz, die Ein- und Ausfuhr, die Überlassung an und Verschaffung für andere (Weitergabe und Verkauf) ist gerichtlich strafbar und kann Geld- und Freiheitsstrafen nach sich ziehen. Auch die Übergabe eines Joints in einer Runde – ohne einen Zug zu machen – kann prinzipiell strafrechtlich als Besitz oder Weitergabe verfolgt werden. Wenn du angezeigt wirst, weil du eine geringe Menge Cannabis zum eigenen Gebrauch erworben oder besessen hast, dann wird die Anzeige von der Staatsanwaltschaft für eine Probezeit von zwei Jahren vorläufig zurückgelegt. In diesem Fall muss die Gesundheitsbehörde überprüfen, ob du dich einer gesundheitsbezogenen Maßnahme wie ärztliche Kontrollen, Harnproben, ärztliche Behandlungen, psychologische oder psychotherapeutische Betreuungen unterziehen musst, oder ob auf eine derartige Maßnahme verzichtet werden kann. Wenn du innerhalb der letzten fünf Jahre nicht schon einmal wegen Suchtgifterwerbs oder -besitzes angezeigt worden bist, kann die Staatsanwaltschaft auf die Auskunft der Gesundheitsbehörde auch verzichten und die Anzeige sofort zurücklegen.